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(Teil 1)
Noch in den zwanziger Jahren bezweifelten Wissenschaftler, daß eine Rakete jemals in den Weltraum aufsteigen könnte. Aber der französische Raufbold und Poet Cyrano de Bergerac war schon 300 Jahre zuvor in seiner Phantasie mit Hilfe von Raketen zum Mond geflogen. Und Roger Bacon, ein mittelalterlicher Mönch, ahnte bereits im 13. Jahrhundert Autos, Motorschiffe und Flugzeuge voraus. Philippe Evrard, ein Unternehmensberater unserer Tage, schreibt phantastische Zukunftsvisionen in exotischen Schriften, und der Schweizer Musiker Bo Katzman berichtete auf den PSI-Tagen in Basel, wie er nach einem Motorradunfall starb und sich in einem Ozean von kosmischem Wissen wiederfand. Nicht nur Esoteriker haben heute keinen Zweifel mehr daran, daß unser Bewußtsein mehr ist als nur ein Produkt elektrischer Entladungen im Gehirn und auch ohne Körper existieren kann. Gibt es – wo auch immer – einen kosmischen Informationsspeicher, zu dem Menschen unter besonderen Umständen Zugang haben? Sri Lanka, im Herbst 1985. Im Südwesten der Insel verbringen der Unternehmensberater Dr. Philippe Evrard und seine Frau, die Psychologin Prof. Dr. Gertje Lathan, ihren Urlaub. Es sollte ein Urlaub werden wie andere auch: ein bißchen entspannen, ein bißchen Land und Leute besichtigen – aber dann geschieht etwas Seltsames und Unerwartetes. Seit geraumer Zeit hat Dr. Evrard ein mentales Training durchgeführt, das von seiner Frau entwickelt worden ist – die sogenannte "Nathal-Methode", die unter anderem auch meditative Entspannungs- und Konzentrationsübungen umfaßt. Hier in Sri Lanka nun überkommt Dr. Evrard während einer solchen Meditationsübung ein unwiderstehlicher Drang zu schreiben. Was er dann schreibt, ist allerdings weder dem Deutschen noch seiner französischen Muttersprache zuzuordnen – es sind seltsame, fremde Schriftzeichen, mit Anklängen an chinesische oder japanische, aber auch an arabische oder indische Schriften; er schreibt sie ganz geläufig – aber ohne zu wissen, was er da eigentlich schreibt. Weil sie Ähnlichkeiten mit der singhalesischen Schrift zu entdecken glauben, die auf Sri Lanka in Gebrauch ist, machen Philippe Evrard und Gertje Lathan sich auf den Weg, um jemanden zu finden, der ihnen die seltsamen Zeichen entziffern könnte. Sie besuchen verschiedene hinduistische und buddhistische Tempel, um mit Priestern und Mönchen zu sprechen – denn wenn ihnen jemand weiterhelfen kann, so denken sie, sind es solche Schriftgelehrte. Aber sie haben keinen Erfolg. Am Ende ihrer Rundreise sind sie so schlau wie zu Anfang – niemand kann die seltsamen Schriftzeichen entziffern. Auch Gelehrte in Deutschland nicht, die später befragt werden, und nicht in der Schweiz. Nichtsdestoweniger schreibt Philippe Evrard weiter seine geheimnisvollen Zeichen, in 33 verschiedenen Schriftarten, mit denen er im Laufe der Zeit über 11000 DIN-A4-Seiten füllt – das entspricht im Format etwa einem 12bändigen Lexikon –, und immer noch ohne zu wissen, was er da schreibt. Dann aber, nach etwa eineinhalb Jahren, wird ihm während einer "Nathal"-Übung intuitiv klar, was die Schriftzeichen bedeuten. "Ich habe", erzählt Philippe Evrard, "mich auf eine Schriftform konzentriert und habe dann die Information bekommen, daß es sich um eine wissenschaftliche Abhandlung handelte über Meeresbiologie. Ich hatte aus den 7000 oder 8000 Seiten, die damals bereits zur Verfügung standen, willkürlich irgendein Blatt herausgeholt und mich darauf konzentriert. Und daraufhin ist mir dieser Inhalt vermittelt worden." Die Informationen, die beim Betrachten der Schriftzeichen in seinem Bewußtsein auftauchten, schrieb Dr. Evrard zuerst mit der Hand nieder. Anschließend wurden die Texte dann gedruckt und katalogisiert. Sie umfassen Zukunftsvisionen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Architektur gehört dazu, neue Entdeckungen in Physik, Chemie und Medizin, aber auch neue Methoden in Biologie und Landwirtschaft.
Denkanstöße für eine kommende ZeitDa ist zum Beispiel von Bäumen die Rede, die in bestimmten geometrischen Mustern, in sechs- und achteckiger Anordnung, gepflanzt werden sollen, damit sie besser wachsen. In anderen Texten wird davon gesprochen, wie Wasser in besonders geformten Musikinstrumenten aufbereitet wird und dann heilende Wirkung hat. Es werden auch neue Pflanzenarten beschrieben, die durch Einwirkung von Tönen und Farben gezüchtet werden. Und es wird davon gesprochen, daß der Körper des Menschen sich verändert, daß zum Beispiel die Augen anders wahrnehmen und neue Organe entstehen. "Es gibt einige Andeutungen", sagt Dr. Evrard, "die darauf hinweisen, daß unser Augenspektrum, also die übliche Begrenzung durch Infrarot und Ultraviolett, zukünftig erweitert wird. Das heißt, wir werden entlang der optischen Skala mehr zur Disposition haben, was wir dann optisch registrieren und wahrnehmen können." Viele der Aussagen in seinen Texten sind so phantastisch, daß man sich eine Verwirklichung allenfalls in ferner Zukunft vorstellen kann. Für Philippe Evrard sind sie jetzt erst einmal Anregungen und Denkanstöße für weitere wissenschaftliche Forschungen und Überlegungen. Eine Auswahl seiner Texte ist inzwischen als Buch erschienen. Der Titel: "Datenbank Zukunft". Und im Online-Zeitalter ist er natürlich auch im Internet vertreten (www.nathal.ch). Woher kommen diese Visionen? Und warum haben sie einen solchen Umweg über exotische Schriftzeichen genommen? Diese Frage kann zur Zeit niemand schlüssig beantworten. Aber es gibt ein Reihe von Indizien, die uns zu Vermutungen führen, die man immerhin als eine mögliche Erklärung ansehen könnte. Zuerst einmal ist offensichtlich, daß solche Visionen, die weit in die Zukunft hinausgreifen, gar nicht so ungewöhnlich sind. Die Geschichte liefert dafür zahlreiche Beispiele. Der Franziskanermönch Roger Bacon (1214 – 1294) schrieb in seiner "Epistel über die geheimen Werke" um die Mitte des 13. Jahrhunderts: "Es können Maschinen für die Schiffahrt gemacht werden, mit denen auf Flüssen und Seen sich Schiffe, von einem Mann gesteuert, ohne Ruderer viel schneller fortbewegen können, als heute mit vielen Ruderern. (…) Auch kann man Brücken bauen über die Flüsse ohne Pfeiler oder andere Unterstützung, sowie unerhörte Antriebsmaschinen. (…) Ferner kann man Wagen herstellen, die, ohne Zugtiere, sich mit unglaublicher Geschwindigkeit bewegen. Auch fliegende Maschinen können konstruiert werden und ebenso Maschinen von kleinen Ausmaßen, die enorme Lasten aufwärts oder abwärts bewegen …" Leonardo da Vinci (1452 – 1519) entwarf im 15. Jahrhundert bereits Flugapparate, darunter einen Hubschrauber, ferner Unterseeboote und Taucheranzüge mit Flossen für Kampfschwimmer, Maschinengewehre, Panzerwagen, Granaten mit Mehrfachsprengköpfen und Festungsanlagen, wie man sie später im 18. Jahrhundert verwirklichte. Er entwarf Werkzeugmaschinen, Druckerpressen, Destillierapparate, Wasserturbinen und Schiffe mit Schaufelradantrieb. Er plante vorgefertigte Häuser und Satellitenstädte mit mehrspurigen Fahrbahnen auf verschiedenen Ebenen, mit Hebewerken, die Wasser bis in die obersten Stockwerke der Häuser leiten, neue Heizsysteme, Kamine, Küchen und mechanische Bratspieße, die von der erwärmten Luft gedreht werden. Er skizzierte automatische Türen, Weckeruhren, Lampen, die durch wassergefüllte Glasglocken helleres Licht geben sollten, er zeichnete Parabolspiegel und neue Brillenkonstruktionen und sprach – über hundert Jahre vor Erfindung des Fernrohrs – von "Augengläsern, um den Mond groß zu sehen". Die technischen Mittel seiner Zeit reichten nicht aus, um die Ideen dieses genialen Renaissancekünstlers auch nur annähernd zu verwirklichen. Aber woher kam diese Flut von zukunftsweisenden Ideen bei einem Menschen, dessen Schulbildung – wie seine Zeitgenossen bezeugen – nur äußerst dürftig war? Es drängt sich hier geradezu die Vermutung auf, daß Leonardo Zugang zu einer "höheren Informationsebene" hatte. In den gängigen Biographien findet sich kein Hinweis darauf, aber die unzähligen Notizen, die er in Spiegelschrift – und teilweise noch zusätzlich verschlüsselt – hinterlassen hat, sind bislang nur teilweise ausgewertet. Es könnte sich also eine entsprechende Aussage Leonardos noch finden, wenn man erst einmal ernsthaft danach sucht. Eine Andeutung immerhin ließe sich aus seinem Gemälde von Johannes dem Täufer herauslesen, der mit "wissendem" Lächeln den Betrachter anschaut und mit dem ausgestreckten Zeigefinger nach oben deutet. Ein Fingerzeig? Vielleicht.
Innere Schau statt sinnlicher WahrnehmungVon Giordano Bruno (1548 – 1600), dem genialen Philosophen des 16. Jahrhunderts, wissen wir, daß er viele seiner Erkenntnisse aus einer "höheren Quelle" bezog. Im Alter von 30 Jahren hatte er eine Art "Erleuchtungserlebnis", das er selbst folgendermaßen beschrieb: "Schließlich aber ließ die Liebe (…) sich in den geheiligten Lichtern nieder: sie zeigte ihm (damit meint er sich selbst) durch zwei intelligible (d.h. nur durch innere Schau erkennbar, nicht durch sinnliche Wahrnehmung) Gestalten die göttliche Schönheit. (…) Nun konnten jene Strahlen, welche vom erleuchtenden und wissenden Geist, von der Sonne der Einsicht, ausgesandt wurden, leicht durch seine Augen eingehen, und zwar die der Wahrheit durch die Pforte der erkennenden Kraft, die der Güte durch die Pforte des Begehrens ins Herz, das heißt ins Grundwesen des Gefühls. (…) Als er so zum erstenmal in dieser Weise erwärmt und im Geiste erleuchtet wurde, war jener siegreiche Punkt und Augenblick erreicht, von dem gesagt wird: vicit instans (d.h. der Augenblick hat gesiegt)."
Wie ein göttlicher ErkenntnisstrahlGiordano Bruno erkannte, daß die Erde an den Polen abgeflacht ist und daß Nordpol und Südpol von Zeit zu Zeit ihre Positionen vertauschen, daß unsere Sonne sich ebenfalls um ihre Achse dreht, daß es hinter dem Saturn noch weitere Planeten gibt und daß die Fixsterne ebenfalls Sonnen sind, die von Planeten umkreist werden. Alles Dinge, die er auf "normalem" Wege nicht hätte in Erfahrung bringen können. Er nahm – im Ansatz – die Keplerschen Gesetze vorweg und Teile der Relativitätstheorie. Er entwarf ein holografisches Weltbild mit auffälligen Parallelen zur indischen Philosophie, die zu seiner Zeit im Abendland unbekannt war, er glaubte an Karma und Reinkarnation. "Seine genialen Intuitionen sind seinen Zeitgenossen um mehrere Jahrhunderte vorausgeeilt", schreibt Egon Friedell in seiner "Kulturgeschichte der Neuzeit". Der englische Politiker Francis Bacon (1561 – 1626) war Anfang des 17. Jahrhunderts Lordkanzler unter König Jakob dem Ersten. Wegen einer Bestechungs-Affäre zwangsweise in den Ruhestand versetzt, widmete er sich der Philosophie und Schriftstellerei. In seinem Buch "Nova Atlantis" beschrieb er eine Insel mit höchst modernen Einrichtungen. Es gibt dort Meerwasserentsalzungsanlagen, Roboter, Tierversuche zu medizinischen Zwecken und Veränderungen der Gestalt von Tieren und Pflanzen durch künstliche Eingriffe. Ein Bewohner der Insel berichtet: "Wir haben auch ein Haus der Blendwerke, wo wir alle möglichen Gaukeleien, Trugbilder und Sinnestäuschungen hervorrufen. Ferner erzeugen wir jede Art von gefärbtem und buntem Licht, sowie alle optischen Täuschungen und Trugbilder in Gestalt, Größe und Farbe, alle Erscheinungen von Schatten und von in der Luft schwebenden Spiegelungen … Wir haben auch kunstvolle Sehrohre, durch die wir kleine und kleinste Körperchen vollkommen und genau erblicken, wie etwa die Glieder und Farben der kleinen Mücken und Würmer, die Kerne und Kristalle der Edelsteine, die Bestandteile des Blutes und des Harns, die sonst nicht zu erkennen sind … Vor allem aber erzeugen wir Wärme zur Nachahmung der Sonnen- und Sternenstrahlung; diese durchdringt vielfältige Stoffe unter mannigfachen Veränderungen gleichwie in Wellen, Kreisen und periodischen Stößen …" Bacons Buch liest sich wie eine Vorschau auf das 20. Jahrhundert, auf Kinos, Discotheken mit Lasershows, auf Elektronenmikroskope und Mikrowellenherde. Ob er das alles gemeint oder gar gesehen hat, wissen wir allerdings nicht. Sein Zeitgenosse und Biograph William Rawley schrieb: "Wenn irgendeinem Menschen unserer Tage ein göttlicher Erkenntnisstrahl zuteil geworden ist, so bin ich überzeugt, daß Bacon es war. Denn obgleich er viele Bücher las, so schöpfte er seine Erkenntnisse, die er stets mit der größten Umsicht und Achtsamkeit zum Ausdruck brachte, nicht aus Büchern, sondern aus der Tiefe seines eigenen Wesens …" Einige Literaturwissenschaftler sind sogar der Ansicht, daß Bacon der eigentliche Autor von Shakespeares Werken ist, während William Shakespeare nur der Regisseur war – der Bacons Werke unter eigenem Namen herausgab, weil es sich damals für einen Aristokraten nicht schickte, fürs Theater zu schreiben. Diese Auffassung ist allerdings heftig umstritten. Wenige Jahrzehnte nach Francis Bacon, als in Deutschland der 30jährige Krieg wütete und sich in Frankreich die drei Musketiere mit den Garden des Kardinals Richelieu herumschlugen, unternahm der Raufbold und Poet Hector Savinien de Cyrano, meist Cyrano de Bergerac genannt, eine phantastische Reise zum Mond. Heute ist Cyrano der Allgemeinheit nur noch durch die übergroße Nase bekannt, die ihm sein Kollege Rostand, stark übertreibend, andichtete. Seine Werke aber sind so gut wie vergessen. Eines der wichtigsten ist: "Eine andere Welt, oder: die Staaten und Reiche auf dem Mond". In diesem utopischen Roman beschreibt Cyrano, wie er in einem Raketenwagen, dessen ausgebrannte Stufen wieder zur Erde zurückfallen, zum Mond fliegt. Er trifft dort seltsame Leute, die in fahrbaren Häusern leben, sich von nahrhaften Gerüchen ernähren und über "sprechende Bücher" verfügen, kleine Kästen, in denen wir Heutigen unschwer Kassettenrecorder oder CD-Player wiedererkennen. Es ist fraglich, ob Cyrano dabei wirklich an unsere heutige Unterhaltungselektronik gedacht hat. Und nach unserem Wissensstand gibt es auch keine vierbeinigen Zentauren auf dem Mond. Aber Cyrano hatte mit seinem Roman Satire im Sinn, nicht Science-fiction. Etliche der vergangenen Zukunftsvisionen haben sich als unrealistisch erwiesen oder erscheinen zur Zeit noch unrealisierbar – wie zum Beispiel die "Fliegende Insel" aus Jonathan Swifts Roman "Gullivers Reisen". Aber Swift (1667 – 1745) hat hier immerhin auch die Existenz zweier Marsmonde erwähnt – rund 140 Jahre vor ihrer Entdeckung. Andere – scheinbare – Visionen erwiesen sich als bloße Projektion gerade aktueller Technologien in die Zukunft, wie die phantastischen "Reiseballons" aus dem 18. oder das "automatische Dampforchester" des Zeichners Grandville aus dem 19. Jahrhundert. Auch bei Jules Verne (1828 – 1905), der unzählige Zukunftsromane geschrieben hat, finden sich viele Beispiele für solche Projektionen – und auch für die Irrtümer, die sich daraus ergeben können. Verne war ein ungemein fleißiger Schriftsteller. In 43 Jahren schrieb er 104 Bücher, die in 84 Sprachen übersetzt wurden und von unglaublichen Abenteuern handeln, von elektrisch angetriebenen U-Booten, Bomben, die Städte oder ganze Inseln ausradieren können, fliegenden Schiffen – und natürlich auch: von einem Flug zum Mond.
Phantasie – dicht an der späteren RealitätDer Startplatz liegt interessanterweise in Florida, nicht weit vom Cape Canaveral entfernt, dem heutigen Cape Kennedy, von dem aus die Amerikaner dann 1969 tatsächlich zum Mond gestartet sind – dabei liegt Verne also bemerkenswert dicht an der späteren Realität. Aber er läßt seine Mondfahrer ihre Reise in einer bewohnbaren Granathülse antreten, die in Anwesenheit zahlreicher Zuschauer von einer gigantischen Kanone in den Weltraum geschossen wird. Und hier unterläuft Verne ein fataler Denkfehler, denn der beim Abschuß entstehende gewaltige Andruck hätte die Besatzung des Projektils buchstäblich zerquetscht. Nach Umrundung des Mondes kehren die Mondreisenden durch Zündung der Bremsraketen zur Erde zurück, wo sie im Ozean landen und von einem Schiff geborgen werden. Auch hier kommt Verne der späteren Wirklichkeit nahe. Wie nun aber das Leben so spielt, waren es nicht die Übereinstimmungen mit der späteren Realität, die in der Geschichte der Raumfahrt eine besondere Bedeutung erlangen sollten, sondern Jules Vernes Denkfehler. Der fiel nämlich 1908 einem 14jährigen Schüler namens Hermann Oberth auf. 80 Jahre später erinnerte er sich in seinem letzten Fernsehinterview: "Hier hätte der Andruck 25000 Mal das eigene Gewicht überstiegen. Da wären natürlich sofort die Rippen eingebrochen."
Grundlagen moderner Raumfahrt vorausgedachtDer Knabe Hermann überlegte, wie man auf eine andere als die von Verne beschriebene Weise zum Mond kommen könnte, und fand heraus: Man braucht eine mehrstufige Rakete. Die Idee des Raketenfluges in den Weltraum ließ Oberth nicht mehr los. Er machte unermüdlich weitere Pläne und Experimente, studierte Physik und Mathematik und konnte 1921 ein fertiges Raumfahrtkonzept mit allen notwendigen Berechnungen vorlegen. Mit dieser Arbeit wollte er an der Universität Heidelberg promovieren – aber man lehnte das Thema als "zu unrealistisch" ab. Die abgelehnte Doktorarbeit erschien 1923 als Buch unter dem Titel: "Die Rakete zu den Planetenräumen". Es enthält die wesentlichen Grundkonzepte und Gleichungen der modernen Raumfahrt. Während es von einigen Wissenschaftlern heftig kritisiert wurde, war der Regisseur Fritz Lang davon begeistert und engagierte Oberth als Berater für sein Filmprojekt "Die Frau im Mond". Oberth bereicherte die Geschichte um einige realistische Details, konnte allerdings nicht verhindern, daß man aus dramaturgischen Gründen dem Mond eine Atmosphäre andichtete. Die Werbeabteilung der UFA kam außerdem auf die Idee, zur Premiere des Films eine echte kleine Rakete aufsteigen zu lassen, und beauftragte Hermann Oberth mit ihrem Bau. Zeitmangel, technische Schwierigkeiten und schließlich auch finanzielle Probleme verhinderten eine Fertigstellung der Rakete, und Oberth zog sich enttäuscht in seine Heimat nach Siebenbürgen zurück. Unter den Helfern, die er für das Raketenprojekt angeworben hatte, befand sich ein junger Student der TH Berlin, der sich von Oberths Weltraumbegeisterung anstecken ließ. Sein Name war: Wernher von Braun. Nicht ganz ein halbes Jahrhundert später, am 20.7.1969, brachte er – auf der Basis der Oberthschen Ideen – die ersten Menschen auf den Mond. Fast auf den Tag genau 100 Jahre zuvor, im Juli 1869, hatte Hermann Oberths Großvater, der Arzt und Dichter Friedrich Krasser, prophezeit: "In 100 Jahren werden Menschen auf dem Mond landen. Unsere Enkelkinder werden dies noch miterleben."
Unvoreingenommen über den Horizont hinausAm Ende seines Lebens wurde Hermann Oberth mit Orden und Ehrungen überhäuft – in seiner Jugend war er für die Wissenschaft ein Außenseiter mit verrückten Ideen. Viele davon sind auch heute noch nicht verwirklicht. Sie reichten über die bloße Entwicklung einer Weltraumrakete weit hinaus. Schon 1923 entwarf er einen riesigen Weltraumspiegel, mit dessen Hilfe Sonnenlicht auf bestimmte Erdzonen reflektiert werden könnte, um sie zu erleuchten, zu erwärmen oder das Wetter zu beeinflussen. Er machte Pläne für eine Raumstation, eine Mondbasis und ein Mondauto, für ein Raumschiff mit Elektroantrieb und eine Windkraftanlage, mit der die beständige Luftströmung in großen Höhen ausgenutzt werden kann. Hermann Oberth war ein Wissenschaftler mit zukunftsweisenden Ideen, die über den Horizont seiner Zeitgenossen weit hinausgingen. Er war unvoreingenommen und auch ungewöhnlichen Phänomenen gegenüber aufgeschlossen. Daher beschäftigte er sich auch mit Parapsychologie und hielt eine Kommunikation mit außerirdischen Intelligenzen für möglich – auf geistigem Wege. Eines seiner Bücher – "Wählerfibel für ein Weltparlament" – baut auf den "gechannelten" Aussagen eines Trancemediums auf. Ein kleines Museum in Feucht bei Nürnberg, seinem letzten Wohnort, erinnert an den 1989 verstorbenen Raumfahrtpionier. Es wird heute von seiner Tochter Dr. Erna Roth-Oberth geleitet. Ich habe sie gefragt, welche Meinung ihr Vater über die Herkunft seiner außergewöhnlichen Ideen hatte. "Er hat ein Buch geschrieben" , so erzählt sie, "mit dem Titel 'Stoff und Leben'. Darin hat er untersucht, auf wissenschaftlicher Grundlage, ob der Mensch eine Seele hat, oder wer überhaupt Träger des Bewußtseins ist. Die Tatsache, daß ein Mensch fühlt, daß er ist, daß er ein 'Ich' hat, die beruht seiner Meinung nach darauf, daß er eine Seele hat. Und er sagte: Diese Seele ist auch die Trägerin von Wissen, von überindividuellem Wissen, das besonders begabte Leute anzapfen können. So entstehen die zeitlosen Kunstwerke, sei es in Literatur oder in Malerei oder in Tonkunst. Sie entstehen dadurch, daß hier überindividuelle und zeitlose Gedanken und Gefühle, Visionen oder Bilder angesprochen werden." Stammen die "Inspirationen" von Künstlern also daher, daß ihre unsterbliche Seele in andere Informationsebenen hinaufreicht? Es spricht einiges dafür. Aussagen von Dante bis William Blake, von Brahms bis Enid Blyton zeigen, daß unzählige, zum Teil geniale Werke ihren Ursprung möglicherweise nicht im menschlichen Gehirn haben, sondern anderswo. Aber wo? Vielleicht in einer "Datenbank Kosmos"?
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